Mistral und Regeln: Segeln in Südfrankreich
Der Mistral ist ein kalter, trockener Wind aus Nord bis Nordwest. Er stürzt durch das Rhônetal und fegt zwischen Camargue, Marseille, der Küste des Var und Korsika aufs Meer. Er bringt blauen Himmel, harte Böen und kurze, steile See und kann mehrere Tage anhalten. Wer in Südfrankreich segelt, plant seinen Törn um ihn herum und hält sich an ein paar Regeln: kein Anker ins Posidonia-Seegras, 5 Knoten in der 300-Meter-Zone, zusätzliche Vorschriften in Nationalparks und Reservaten.
Wo chartere ich eine Yacht in Südfrankreich?
Charteryachten liegen an Basen in der Provence, an der Französischen Riviera und auf Korsika. Alle Basen finden Sie auf der Seite Yachtcharter Frankreich. Gechartert wird meist wochenweise von Samstag bis Samstag, als Bareboat oder mit Skipper. Beides können Sie bei Ship O'Hoi direkt bei den Basen vor Ort buchen.
Was der Mistral ist und wo er weht
Laut Météo-France setzt der Mistral meist ein, wenn Südostfrankreich in einer Nordwestströmung am Rand eines Hochs über dem nahen Atlantik liegt. Im engen Rhônetal beschleunigt die Luft, prallt auf die Alpen, und im Golf von Genua vertieft sich ein Tief, das den Wind zusätzlich antreibt. Typisch ist der Mistral nach einer Kaltfront, die Frankreich von Nordwest nach Südost überquert hat.
- Richtung: im Rhônetal Nord, um Marseille Nordwest, an der Küste des Var und auf Korsika West. Er weht ablandig.
- Stärke: im Mittel etwa 50 km/h (rund 27 Knoten), in Böen 80 bis 100 km/h (etwa 43 bis 54 Knoten), mitunter mehr.
- Am stärksten: zwischen Orange, Avignon, Istres und Arles. Istres zählt im Schnitt rund 10 Tage im Jahr mit Böen über 100 km/h.
- Dauer und Saison: oft stärker im Winter und Frühjahr, er weht aber auch an heißen Sommertagen. Eine Mistrallage kann mehrere Tage dauern, auch länger als eine Woche.
- Wetterbild: trocken und sonnig. Der Mistral „putzt den Himmel“. Blauer Himmel sagt also nichts über den Wind.
Für die Crew auf Charterwoche heißt das: Vor der Camargue, vor Marseille und den Calanques und rund um die Hyères-Inseln weht der Mistral ablandig. Unter Land ist die See glatt, weiter draußen wird es schnell ruppig. Ankerbuchten, die nach Nordwest oder West offen sind, werden unruhig oder gefährlich. Und die Überfahrt nach Korsika beginnt man nicht bei Mistralvorhersage.
Weitere Winde: Tramontane, Libeccio, Scirocco und die Ostwinde
Météo-France beschreibt weitere regionale Winde, die Sie im Funk hören werden:
| Wind | Richtung | Wo | Was Sie erwartet |
|---|---|---|---|
| Tramontane | W bis NW | Roussillon, westlicher Golfe du Lion | Kalt und heftig wie der Mistral, Böen über 100 km/h, am stärksten im Winter und Frühjahr |
| Libeccio | SW (im Süden Korsikas W) | Côte d'Azur und Korsika | Im korsischen Sommer trocken, in Bastia sehr heftig; im Winter feucht und gewittrig |
| Scirocco | S | Korsika und Mittelmeerküste | Heiß und trocken aus der Sahara, bringt Sand; selten, meist nur Stunden |
| Marin | SO | Gesamte Mittelmeerküste | Kräftig und feucht, bringt starken Regen; vor allem im Frühjahr und Herbst |
| Levant | O | Mittelmeerküste bis Korsika | Feucht und bewölkt, Spätherbst bis Frühjahr; im Sommer selten als „levant blanc“ bei schönem Wetter |
| Grégale | NO | Provence, Côte d'Azur, Korsika | In der Provence kalt und trocken; nach langem Weg über See feuchter |
Die auflandigen Winde (Marin, Levant) machen genau die Buchten, die vor dem Mistral schützen, zu Legerwall.
Den Seewetterbericht lesen
Verlassen Sie sich auf die offiziellen Vorhersagen. Die Seewetterseiten von Météo-France teilen die französische Mittelmeerküste in vier Küstengebiete: spanische Grenze bis Port-Camargue, Port-Camargue bis Saint-Raphaël, Saint-Raphaël bis Menton und Korsika. Für jedes Gebiet gibt es einen Küstenwetterbericht und eine Sturm- bzw. Starkwindwarnung (BMS, bulletin météorologique spécial).
Auf See sollten Sie laut dem französischen Meeresministerium Kanal 16 abhören. Dort kündigt das CROSS die Wetterberichte auf den Kanälen 79 und 80 an. Die Kanäle 63 und 64 senden im Mittelmeer (außer Korsika) laufend einen Küstenwetterbericht. Die Sonderwetterberichte von Météo-France bei sich verschlechternder Lage strahlen die CROSS über UKW aus. Entscheiden Sie in der Mistralsaison am Vorabend über den nächsten Schlag.
Ankern und Posidonia-Regeln
Posidonia-Seegraswiesen sind ein geschützter Lebensraum. Das Ankern im französischen Mittelmeer regelt die Préfecture maritime de la Méditerranée in mehreren Stufen:
- Für alle Boote: Der Rahmenerlass Nr. 123/2019, auf den sich auch aktuelle Erlasse noch stützen, verbietet das Ankern in Lebensräumen geschützter Meerespflanzen, wenn der Anker sie schädigen kann. Das gilt also auch für die 12-Meter-Charteryacht, die ihren Anker ins Seegras fallen lässt. Ankern Sie auf Sand, also auf den hellen Flecken, nicht auf den dunklen.
- Yachten ab 24 m: Örtliche Erlasse für die einzelnen Küstenabschnitte (Var, Alpes-Maritimes, Bouches-du-Rhône, Korsika) halten sie außerhalb festgelegter Linien und weg vom Seegras. Einige frühe Erlasse in den Alpes-Maritimes gelten schon ab 20 m, und für Schiffe ab 45 m gilt ein eigener Erlass für die ganze Küste. Für die typische Charteryacht ändern diese Regeln wenig.
- Örtliche Ankerverbotszonen für alle registrierten Boote: Ein Erlass von 2025 verbietet zum Beispiel jedem registrierten Fahrzeug das Ankern innerhalb von 300 m vor der Küste zwischen östlich der Calanque du Podestat und der Pointe du Vaisseau in Marseille. Solche Zonen sind in den SHOM-Seekarten eingetragen, und laut Präfektur sind nur diese Karten für die Navigation maßgeblich.
- Außerdem im Rahmenerlass: Ankerverbot in Hafenzufahrten und in den Zufahrtskanälen zum Strand. Wer vor Anker liegt, muss per UKW (oder Telefon) für das Semaphor oder das CROSS erreichbar sein.
Die Präfektur empfiehlt die App DONIA, um Sand neben dem Seegras zu finden, und warnt vor Geldstrafen bis 150.000 Euro und bis zu einem Jahr Haft.
ZMEL-Bojenfelder. Eine ZMEL (zone de mouillages et d'équipements légers) ist ein genehmigtes Bojenfeld mit umweltschonend verankerten Bojen. Dort gilt die Polizeiordnung der ZMEL, und Ankern in der Nähe ist meist verboten. Manche müssen reserviert werden. Im Bojenfeld Bagaud vor Port-Cros sind die Bojen vom 15. April bis 15. Oktober tagsüber (8 bis 18 Uhr) frei. Nachts sind sie kostenpflichtig und online zu reservieren, höchstens fünf Nächte am Stück. Ankern ist dort ganzjährig verboten.
Die 300-Meter-Zone und das Tempolimit
Der allgemeine Navigationserlass der Präfektur, Nr. 109/2024, regelt die 300-Meter-Zone:
- 5 Knoten innerhalb von 300 m vor dem Ufer, vor Inselchen und über Wasser liegenden Felsen und vor Hafenmolen. Das gilt überall und immer, auch wenn die Zone nicht betonnt ist. Örtliche Erlasse können abweichen, Port-Cros zum Beispiel erlaubt zwischen 300 und 600 m maximal 12 Knoten.
- Badezonen: Die von der Gemeinde ausgewiesenen Badezonen sind für Boote und registrierte Fahrzeuge tabu.
- Zufahrtskanäle: Die betonnten Kanäle zum Strand sind registrierten Motorbooten vorbehalten. Dazu zählt jedes Boot mit Motor, auch die Segelyacht mit Einbaumaschine, selbst wenn die Maschine aus ist. Einfahren nur an einem Ende, direkt durchfahren, nicht stoppen oder ankern, 5 Knoten, sofern nichts anderes gilt. Beiboote ohne Motor sind dort verboten.
- Nicht an Betonnungsbojen festmachen, die die Zone oder ihre Bereiche markieren.
In der Praxis heißt das: im Schritttempo einlaufen und auf Schwimmer und Taucherflaggen achten.
Nationalparks und Reservate
- Parc national de Port-Cros (Port-Cros und Porquerolles): Vor Port-Cros dürfen nur Boote mit Fäkalientank ankern, jede Einleitung ist verboten, und es gibt das Bojenfeld Bagaud mit Reservierung. Mehr in Segeln Hyères-Inseln.
- Parc national des Calanques: In den Calanques En-Vau und Port-Pin ist Ankern ganz verboten. Der Ankerplan des Parks verlagert das Ankern bei Sormiou, Morgiou, West-Pomègues und in der Bucht von La Ciotat auf Sand oder Bojen. Mehr in Segeln Marseille und Calanques.
- Réserve naturelle des Bouches de Bonifacio: Ein Erlass der Präfektur verbietet seit 2023 für fünf Jahre Befahren und Ankern in vier Zonen um Lavezzi und die Inselchen Ratino, Porraggia und Perduto. Mehr in Segeln Südkorsika.
- Réserve naturelle de Scandola: Ankern ist im ganzen Reservat zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang verboten, im Kernbereich und im Goulet de Gargalo immer. Mehr in Segeln Ajaccio und Westkorsika.
Führerschein und Papiere
In Frankreich brauchen Sie zum Segeln auf See keinen Führerschein, egal wie groß die Yacht ist. Für Motorboote über 4,5 kW (6 PS) brauchen Sie einen: den französischen permis plaisance oder einen gültigen Schein aus Ihrem Land im Rahmen seiner Berechtigungen. Für eine Bareboat-Charter verlangt der Vercharterer trotzdem einen Erfahrungsnachweis, meist einen Segellebenslauf und oft einen Schein oder das ICC, und er kann einen Skipper vorschreiben. Mit Skipper brauchen Sie keinen Schein. Die Details stehen in unserem Artikel zum Bootsführerschein in Frankreich.
Notfälle
- Auf See: UKW-Kanal 16. Er verbindet Sie direkt mit dem CROSS (der regionalen Seenotleitstelle) und erreicht alle Schiffe in der Nähe.
- Per Telefon: 196. Die Nummer ist kostenlos, rund um die Uhr erreichbar und verbindet mit dem CROSS. Laut Ministerium ersetzt sie Kanal 16 nicht, der auf See Vorrang hat.
FAQ
Kann man bei Mistral segeln?
Böen von 80 bis 100 km/h und steile See sind für die meisten Chartercrews zu viel. Bleiben Sie in einem gut geschützten Hafen und warten Sie, bis er abflaut.
Woran erkenne ich, dass Mistral kommt?
Météo-France nennt als typische Lage eine Nordwestströmung nach einer Kaltfront über Frankreich und ein Tief, das sich im Golf von Genua vertieft. Selbst deuten müssen Sie das nicht: Lesen Sie den Küstenwetterbericht von Météo-France und die BMS für Ihr Gebiet.
Darf ich außerhalb der Parks überall ankern?
Nein. Ankern im Posidonia-Seegras ist für jedes Boot verboten, wenn es die Wiese schädigen kann, und örtliche Erlasse sperren manche Bereiche ganz. Prüfen Sie die SHOM-Karte und die Beschilderung und suchen Sie Sandgrund.
Gilt das 5-Knoten-Limit auch für Segelyachten?
Ja. Es gilt für alle Fahrzeuge innerhalb von 300 m vor Ufer, Inselchen und Molen, unter Segel wie unter Motor.
Muss ich Bojen reservieren?
Manchmal. Einige Bojenfelder, etwa Bagaud vor Port-Cros für die Nacht, müssen vorab online reserviert werden. Informieren Sie sich auf der Website des Parks oder der Gemeinde.
Ihr Revier planen
Einen Überblick über alle Reviere von der Bretagne bis Korsika gibt Segeln in Frankreich. Für eine Woche im Mistralgebiet lesen Sie Segeln Marseille und Calanques oder Segeln Hyères-Inseln.




