Bootfahren in Schweden: Regeln, beste Reviere und Tipps
Bootfahren in Schweden bedeutet Schärengärten mit Tausenden von Inseln, große Seen wie den Mälaren und den Vänern, den Göta-Kanal und das Jedermannsrecht (allemansrätten), das Ihnen erlaubt, an einer Insel fern von Wohnhäusern anzulegen. Für ein gewöhnliches Freizeitboot unter 12 Metern brauchen Sie keinen Führerschein, doch die Regeln zu Alkohol, Geschwindigkeit und Rücksichtnahme gelten für alle. Dieser Ratgeber erklärt, wie das Mieten bei einem privaten Eigner funktioniert, welche Regeln gelten, welche Reviere am schönsten sind, wann die beste Reisezeit ist und was Sie vor dem Ablegen prüfen sollten.
Wie funktioniert das Bootmieten in Schweden?
Auf Ship O'Hoi vermieten private Eigner ihre eigenen Boote: Motorboote, RIBs, Daycruiser, Bowrider, Segelboote und kleinere offene Boote. Die meisten werden tageweise vermietet, manche für ein Wochenende oder eine Woche. Jeder Eigner gibt im Inserat an, welche Erfahrung, welchen Befähigungsnachweis und welches Mindestalter er verlangt, und manche Eigner kommen als Skipper mit, wenn Sie lieber nicht selbst fahren möchten. Wenn Sie unsicher sind, ob ein privates Boot oder eine Charteryacht besser zu Ihnen passt, lesen Sie unseren Vergleich von Bootsvermietung und Charter in Schweden.
Klären Sie vor der Buchung einige Punkte mit dem Eigner:
- Übergabe und Rückgabe: wo das Boot liegt, wann Sie es bekommen und wie es zurückgegeben werden soll.
- Kraftstoff: ob der Tank bei der Übergabe voll ist und ob Sie vor der Rückgabe nachtanken.
- Fahrtgebiet: wie weit Sie fahren dürfen und ob der Eigner möchte, dass Sie innerhalb der Schären bleiben.
- Sicherheitsausrüstung: Rettungswesten in passender Größe für alle an Bord, Seekarte oder Karten-App und eine Möglichkeit, Hilfe zu rufen.
- Einweisung: Lassen Sie sich vor dem Ablegen kurz Motor, Festmachen und Ankern erklären.
Regeln für das Bootfahren in Schweden
Es gibt nur wenige Regeln, aber sie gelten für alle, die am Steuer stehen.
Bootsführerschein
Laut der schwedischen Verkehrsbehörde Transportstyrelsen gibt es derzeit keine Führerscheinpflicht für ein Freizeitboot, das kürzer als 12 Meter oder schmaler als 4 Meter ist – unabhängig von der Motorleistung. Erst wenn ein Boot mindestens 12 Meter lang und zugleich mindestens 4 Meter breit ist, muss der Schiffsführer ein Skipper- oder Küstenskipperzeugnis (kustskepparintyg) oder eine höhere nautische Qualifikation besitzen. Die Ausnahme sind Jetskis, für die immer ein eigener Führerschein nötig ist. Da die Pflicht allein von der Größe des Bootes abhängt, brauchen auch Besucher aus dem Ausland für ein gewöhnliches Mietboot keinen Befähigungsnachweis – der Eigner kann aber jederzeit Erfahrung oder einen Schein verlangen. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Bootsführerschein in Schweden.
Alkohol
Die Promillegrenze auf dem Wasser liegt bei 0,2 und gilt für alle Boote, die mindestens 15 Knoten schaffen oder einen Rumpf von mindestens 10 Metern Länge haben. Sie betrifft den Bootsführer und alle, die an Bord sicherheitsrelevante Aufgaben haben. Ab 1 Promille wird man in der Regel wegen schwerer Trunkenheit in der Schifffahrt (grovt sjöfylleri) verurteilt, und Küstenwache und Polizei dürfen stichprobenartig Alkoholkontrollen durchführen (Transportstyrelsen).
Geschwindigkeit und Schwell
Auf schwedischen Gewässern gibt es kein allgemeines Tempolimit. Geschwindigkeitsbeschränkungen legt die jeweilige Provinzialregierung, die Länsstyrelse, lokal fest (Transportstyrelsen zu lokalen Verkehrsregeln auf dem Wasser), und sie werden beschildert. In engen Sunden, Kanälen und Häfen sind 5, 7 oder 8 Knoten üblich, und manche Beschränkungen gelten nur in den Sommermonaten. Fahren Sie nie schneller, als es die Umstände erlauben. Als Bootsführer müssen Sie Rücksicht auf andere nehmen, die gestört werden könnten – auch mit dem Schwell, den Sie an Stegen, Badestellen und festgemachten Booten hinterlassen.
Das Jedermannsrecht auf dem Wasser
Das Jedermannsrecht gilt auch vom Boot aus. Laut der schwedischen Umweltschutzbehörde Naturvårdsverket dürfen Sie an Land gehen, baden, ankern und vorübergehend an einem Ufer festmachen, das nicht zu einem privaten Grundstück (tomt) gehört, und Sie dürfen ein oder zwei Tage an Bord bleiben. Einen festen Mindestabstand zu Häusern gibt es nicht – entscheidend ist, ob Sie die Bewohner stören könnten. Bootshäuser und Stege, die zu einem Grundstück gehören, sind privat; einen Steg außerhalb des Grundstücks, der vom Haus aus nicht zu sehen ist, dürfen Sie kurz nutzen, müssen aber weichen, wenn der Besitzer kommt. Für längere Aufenthalte fragen Sie den Grundeigentümer. In Nationalparks und Naturschutzgebieten können eigene Regeln zum Festmachen gelten.
Vogel- und Robbenschutzgebiete
In Vogel- und Robbenschutzgebieten dürfen Sie zu bestimmten Zeiten des Jahres nicht an Land gehen und manchmal nicht einmal in der Nähe auf dem Wasser bleiben. Die Zeiträume sind unterschiedlich – im Pater-Noster-Schärengarten vor Tjörn gilt vom 1. April bis 15. Juli ein Betretungsverbot, während auf Svenska Högarna im Stockholmer Schärengarten verschiedene Zonen zu unterschiedlichen Zeiten zwischen Februar und August gesperrt sind. Die Verbote sind oft mit gelben oder rot-gelben Schildern gekennzeichnet und in der Seekarte eingetragen. Die Länsstyrelse des jeweiligen Bezirks hat die Einzelheiten.
Toilettenabwasser
Es ist in ganz Schweden verboten, Toilettenabwasser von Freizeitbooten ins Meer, in Seen oder Flüsse abzulassen, und zwar seit dem 1. April 2015 (Transportstyrelsen). Fäkalientanks werden an Absauganlagen an Land geleert. Ohne Toilette an Bord benutzen Sie eine Toilette an Land oder einen Eimer mit dicht schließendem Deckel.
Rettungswesten und Sicherheit
Transportstyrelsen vergleicht die Rettungsweste mit dem Sicherheitsgurt im Auto: Alle an Bord sollten eine Rettungsweste in der richtigen Größe haben, und Kinder sowie Erwachsene, die nicht schwimmen können, sollten eine Rettungsweste mit Kragen (räddningsväst) tragen. Automatikwesten sind nur für Schwimmer gedacht. Wer das Boot führt, ist dafür verantwortlich, dass es seetüchtig und ausreichend ausgerüstet ist und mit guter Seemannschaft geführt wird.
Große Schiffe und enge Fahrwasser
Schweden wendet die internationalen Kollisionsverhütungsregeln (KVR/COLREG) an. In einem engen Fahrwasser dürfen Boote unter 20 Metern und Segelboote ein Schiff nicht behindern, das nur innerhalb des Fahrwassers sicher navigieren kann. Große Schiffe können weder schnell wenden noch schnell stoppen und haben vor dem Bug einen großen toten Winkel. Queren Sie das Fahrwasser im rechten Winkel, möglichst hinter dem Heck des Schiffes, und halten Sie sich nah am Steuerbordrand des Fahrwassers.
Die besten Reviere zum Bootfahren in Schweden
Stockholmer Schärengarten
Der Stockholmer Schärengarten reicht von Fjäderholmarna direkt vor der Stadt bis hinaus nach Svenska Högarna und von Arholma im Norden bis Landsort im Süden, mit Inseln wie Vaxholm, Grinda, Finnhamn, Möja, Sandön und Utö. Lesen Sie unseren Ratgeber zu den schönsten Inseln im Stockholmer Schärengarten und sehen Sie sich die Bootsvermietung in Stockholm, Mietboote in Dalarö im südlichen Schärengarten und die Bootsvermietung in Norrtälje im Norden an.
Mälaren
Der Mälaren ist ein Süßwassersee von 1.140 Quadratkilometern mit vielen Inseln und Buchten, der sich von Västerås und Sigtuna bis mitten nach Stockholm erstreckt. Die Wikingerstadt Birka auf Björkö gehört zum UNESCO-Welterbe und ist ein klassisches Ausflugsziel mit dem Boot. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Bootfahren auf dem Mälaren und bei den Booten in Mariefred, einem kleinen Ort am Ufer des Mälaren.
Göteborger Schärengarten
Der Göteborger Schärengarten hat einen südlichen Teil mit autofreien Inseln wie Styrsö, Donsö, Vrångö und Brännö und einen nördlichen Teil mit Inseln wie Hönö, Öckerö und Rörö. Wer den Göteborger Schärengarten mit dem Boot erkunden möchte, findet Boote bei der Bootsvermietung in Göteborg.
Bohuslän
Bohuslän an der Westküste steht für salzumtoste Granitfelsen, Fischerdörfer und Meeresfrüchte, von Tjörn und Orust im Süden über Marstrand, Lysekil, Smögen und Kungshamn bis nach Fjällbacka, Strömstad und zu den Koster-Inseln. Kosterhavet ist Schwedens erster Meeresnationalpark. Marstrand, bekannt für Regatten und die Festung Carlsten, hat einen Gästehafen, der das ganze Jahr geöffnet ist. Tipps finden Sie in unseren Ratgebern zu den besten Orten in Bohuslän mit dem Boot und zum Segeln nach Marstrand, Boote über die Bootsvermietung in Marstrand, die Bootsvermietung in Kungshamn auf der Halbinsel Sotenäs und die Bootsvermietung in Fjällbacka.
Öresund
Der Öresund trennt Schonen (Skåne) von Dänemark. Die Öresundbrücke verbindet Malmö und Kopenhagen, und mitten im Sund liegt Ven, eine kleine Insel zwischen Landskrona und Dänemark mit einem Tycho-Brahe-Museum und Klippen, die steil ins Meer abfallen. Die Fähre nach Ven fährt ab Landskrona, achten Sie also auf den Fährverkehr. Wer den Öresund mit dem Boot ab Malmö und Helsingborg erleben möchte, findet Boote bei der Bootsvermietung in Malmö.
Blekinge und Karlskrona
Karlskrona wurde 1680 als Stützpunkt der schwedischen Marine gegründet und gehört heute zum UNESCO-Welterbe – eine auf dem Meer gebaute Stadt mit Brücken zwischen den Inseln. Vom Wasser aus ist die Marinestadt ein ungewöhnlicher Anblick. Mehr über Karlskrona und den Schärengarten von Blekinge mit dem Boot lesen Sie in unserem Ratgeber, Boote finden Sie bei der Bootsvermietung in Karlskrona.
Schärengarten von Östergötland
Der Schärengarten von Östergötland besteht aus den Schären von Arkösund, St. Anna und Gryt sowie einem Teil von Tjust, mit Tausenden von Inseln, viele davon unbewohnt. Beliebte Ziele sind unter anderem Fyrudden, Harstena und Häradskär. Dieser Küstenabschnitt ist noch weitgehend unerschlossen. Wer den Schärengarten von Gryt mit dem Boot erkunden möchte, findet Boote bei der Bootsvermietung in Gryt.
Gotland und Öland
Gotland mit der mittelalterlichen Stadt Visby und Öland mit seinen Spuren aus der Wikingerzeit sind etwas für alle, die Bootfahren mit Inselleben in der Ostsee verbinden möchten. Die Überfahrt vom Festland führt über offene See, deshalb ist es oft am einfachsten, das Boot vor Ort zu mieten. Lesen Sie unseren Ratgeber zu Inselurlaub auf Gotland und Öland mit dem Boot.
Vänern und Göta-Kanal
Der Vänern ist mit 5.650 Quadratkilometern Schwedens größter See und hat einen eigenen Schärengarten – die autofreie Insel Brommö bei Mariestad ist ein Beispiel. In Sjötorp am Vänern beginnt der Göta-Kanal: 190 Kilometer und 58 Schleusen bis nach Mem an der Ostseeküste. Der Kanal ist für Freizeitboote etwa von Mai bis September geöffnet, bei einer Höchstgeschwindigkeit von 5 Knoten. Wer den Vänern mit dem Boot erkunden möchte, findet Boote bei der Bootsvermietung in Mariestad.
| Revier | Charakter | Ideal für | Ratgeber |
|---|---|---|---|
| Stockholmer Schärengarten | Schären, von inneren Inseln bis zur offenen See | Tagestouren, Inselhopping, Hafenrestaurants | Die schönsten Inseln im Stockholmer Schärengarten |
| Mälaren | Süßwassersee mit Inseln und Buchten | Ruhige Tage, Geschichte, Baden | Bootfahren auf dem Mälaren |
| Göteborger Schärengarten | Kahle Felsinseln, autofreie Inseln | Kurze Touren ab der Stadt | Göteborger Schärengarten mit dem Boot |
| Bohuslän | Felsküste, Fischerdörfer | Meeresfrüchte, Segeln, Nationalpark | Die besten Orte in Bohuslän |
| Öresund | Offener Sund | Erfahrene Skipper, Ven | Öresund mit dem Boot |
| Blekinge | Schären rund um eine Marinestadt | Welterbe, Tagestouren | Karlskrona und der Schärengarten von Blekinge |
| Östergötland | Dünn besiedelte Schären | Ruhige Buchten, Natur | Schärengarten von Gryt mit dem Boot |
| Gotland und Öland | Offene Ostseeküste | Inselurlaub | Gotland und Öland mit dem Boot |
| Vänern | Großer See mit Schärengarten | Längere Touren, Göta-Kanal | Vänern mit dem Boot |
Beste Reisezeit zum Bootfahren in Schweden
Die Segelsaison in Schweden dauert von Juni bis September, und im Hochsommer ist es nachts nur wenige Stunden dunkel. Gästehäfen (gästhamn, ein Hafen mit Liegeplätzen für Gastboote) sind meist nur im Sommer besetzt, die Zeiten sind aber unterschiedlich: In Marstrand ist das Hafenbüro von Mai bis September besetzt, in Kungshamn in der Hochsaison von Juni bis August und in den kommunalen Gästehäfen von Lysekil von April bis September, während manche Häfen ganzjährig geöffnet sind. Prüfen Sie die Angaben für Ihren Hafen.
Das Wetter zählt mehr als der Kalender. Das Schwedische Meteorologische und Hydrologische Institut (SMHI) veröffentlicht See- und Küstenwetterberichte für die gesamte schwedische Küste und den Vänern – schauen Sie am Vorabend und morgens noch einmal hinein.
Praktische Tipps
- Seekarten: Die schwedische Seefahrtsbehörde Sjöfartsverket gibt die offiziellen Seekarten Schwedens heraus, und ihre Daten nutzen auch die privaten Firmen, die Karten-Apps und Plotter für Freizeitboote herstellen. Haben Sie immer eine aktuelle Seekarte oder Karten-App an Bord.
- Gästehäfen: Oft lässt sich nur ein Teil der Plätze reservieren, der Rest wird nach dem Prinzip „wer zuerst kommt“ vergeben – kommen Sie in der Hochsaison also rechtzeitig am Nachmittag. Die Hafengebühren sind von Hafen zu Hafen verschieden.
- Kraftstoff: Viele Gästehäfen haben eine Bootstankstelle, aber nicht alle. Planen Sie das Tanken, bevor Sie ablegen.
- Hilfe rufen: Im Notfall wählen Sie 112 und verlangen die Seenotrettung (sjöräddning), oder Sie rufen Sweden Rescue auf UKW-Kanal 16. Schalten Sie die Ortungsdienste Ihres Handys ein, damit Ihre Position übermittelt werden kann, und bewahren Sie das Handy geladen in einer wasserdichten Hülle auf.
- Sjöräddningssällskapet: Die ehrenamtlichen Seenotretter der schwedischen Seenotrettungsgesellschaft haben Rettungsstationen im ganzen Land, und ihre App Kustväder liefert detaillierte Wettervorhersagen für Orte entlang der Küste.
- Wetter: Nebel, Gewitter und starker Wind können die Bedingungen im Laufe des Tages ändern. Kehren Sie lieber rechtzeitig um, als ein Risiko einzugehen.
- Packliste: Kleidung im Zwiebellook, Sonnenschutz, Wasser, Proviant und ein Beutel für Ihren Müll.
Häufige Fragen
Brauche ich in Schweden einen Bootsführerschein?
Nein, nicht für ein Freizeitboot, das kürzer als 12 Meter oder schmaler als 4 Meter ist (Jetskis ausgenommen). Der Eigner kann trotzdem Erfahrung oder einen Befähigungsnachweis verlangen, etwa den schwedischen Bootsführerschein (förarintyg).
Darf ich überall ankern?
Nicht ganz. Sie dürfen ein oder zwei Tage an Ufern ankern, die nicht zu einem privaten Grundstück gehören, sollten aber Vogel- und Robbenschutzgebiete während der Schutzzeit meiden und Ankerverbote beachten.
Kann ich als Ausländer in Schweden ein Boot mieten?
Ja. Für ein gewöhnliches Freizeitboot ist kein schwedischer Führerschein nötig, aber jeder Eigner legt fest, welche Erfahrung er verlangt, und manche kommen als Skipper mit.
Wie hoch ist die Promillegrenze auf dem Wasser?
0,2 Promille für Boote, die mindestens 15 Knoten schaffen oder mindestens 10 Meter lang sind. Ab 1 Promille gilt es in der Regel als schwere Trunkenheit in der Schifffahrt.
Wann ist Bootssaison in Schweden?
Von Juni bis September. Der Service in den Gästehäfen ist unterschiedlich, und der Göta-Kanal ist etwa von Mai bis September geöffnet.
Wenn Sie Ihren ersten Bootstag in Schweden planen, ist unser Ratgeber zu den schönsten Inseln im Stockholmer Schärengarten ein guter Anfang – und wenn es Sie an die Westküste zieht, wartet Bohuslän.



