Segeln in den Rías Baixas: Törn zu den Cíes-Inseln
Die Rías Baixas sind Spaniens Atlantikrevier: tief eingeschnittene, geschützte Buchten im Süden Galiciens, vor deren Mündungen die Inseln eines Nationalparks liegen. Ein Törn von einer Woche ab Vigo oder Baiona umfasst rund 90 Seemeilen in kurzen Schlägen: die weißen Strände der Cíes-Inseln, Ons, das Fischerdorf Combarro, die Muschelflöße der Ría de Arousa und zurück nach Monterreal. Zwei Dinge, die es im Mittelmeer nicht gibt, bestimmen die Planung: Genehmigungen des Nationalparks und die Gezeiten.
Wo chartert man eine Yacht für die Rías Baixas?
Die beiden Stützpunkte im Süden des Reviers sind Vigo, der Stadthafen in der Ría de Vigo, und Baiona, ein historischer Hafen direkt an der Mündung der Ría. Sie können eine Yacht in Vigo chartern oder eine Segelyacht in Baiona mieten oder alle Stützpunkte auf unserer Seite Yachtcharter in Spanien vergleichen; Charteryachten von Stützpunkten vor Ort lassen sich auf Ship O'Hoi buchen, bareboat oder mit Skipper. Charterwochen laufen meist von Samstag bis Samstag. Wer bareboat segeln will, braucht einen Schein, den der Vercharterer akzeptiert, siehe unsere Ratgeber zum Bootsführerschein in Spanien und zum ICC; sonst nehmen Sie einen Skipper oder eine Yacht mit Crew.
7-Tage-Törn ab Baiona oder Vigo
Diese Runde führt zuerst zu den Inseln und an der Küste entlang zurück; ab Vigo beginnen und enden Sie dort. Alle Distanzen sind ca.-Werte, aus der Karte geschätzt; planen Sie jeden Schlag mit aktuellen Seekarten, Revierführer und Gezeitentafel.
Tag 1–2: Baiona oder Vigo zu den Cíes-Inseln (ca. 7–9 sm)
Übernahme am Samstag, die erste Nacht im Hafen. Am Sonntag geht es über die Ría de Vigo zu den Cíes, den südlichsten Inseln des Nationalparks Illas Atlánticas. Ankern ist nur vor drei Stränden erlaubt: Rodas, Nosa Señora und San Martiño. Rodas liegt auf der Seite zur Ría hin, ein über einen Kilometer langer weißer Sandstrand, der zwei Inseln verbindet, mit der Lagune Lago dos Nenos dahinter. An Land geht es mit dem Beiboot zum Anleger von Rodas; der Anleger Carracido gehört der Hafenbehörde Vigo und ist ohne deren Erlaubnis tabu.
Tipp: Beide Genehmigungen des Parks müssen vorher vorliegen (siehe Regeln unten). Eine Yacht ohne Fäkalientank darf nicht über Nacht an den Inseln bleiben; ohne Tank oder ohne Genehmigung für die Nacht bleiben die Cíes ein Tagesstopp.
Tag 3: Cíes nach Ons (ca. 10–12 sm)
Durch den nördlichen Kanal aus den Cíes heraus und nordwärts am Cabo Home vorbei nach Ons, der zweiten Inselgruppe des Parks vor der Ría de Pontevedra. Ankern ist nur in zwei Zonen erlaubt: Dornas-Castelo an der Ostseite und am Strand von Melide im Nordosten. Der Anleger von Dornas gehört der Hafenbehörde und darf ohne deren Erlaubnis nicht genutzt werden, also mit dem Beiboot an Land. Die Nachbarinsel Onza ist Schutzzone, Anlanden verboten.
Tipp: Jede Insel hat ihr eigenes Tageskontingent an Ankergenehmigungen. Buchen Sie jeden Inseltag, sobald die Charterwoche feststeht.
Tag 4: Ons nach Combarro (ca. 10–12 sm)
Ostwärts in die Ría de Pontevedra nach Combarro, rund 6 km von der Stadt Pontevedra. Der denkmalgeschützte Ortskern hat etwa dreißig Hórreos (steinerne Speicher auf Stelzen) direkt am Wasser, dazu Fischerhäuser und Steinkreuze. Der Porto Deportivo de Combarro hat 33 Gastliegeplätze, 3 m Wassertiefe im Hafen und hört auf UKW-Kanal 9.
Tipp: Auch in der Ría de Pontevedra liegen mehrere Felder mit Muschelflößen; fahren Sie bei Tageslicht und mit guter Ausguckwache hindurch.
Tag 5: Combarro nach Vilanova de Arousa zur Illa de Arousa (ca. 22 sm)
Der längste Schlag führt aus der Ría de Pontevedra heraus, um die Halbinsel O Grove herum und in die Ría de Arousa, wo die meisten Muschelflöße Galiciens liegen. In ihrer Mitte liegt A Illa de Arousa, die einzige Inselgemeinde Galiciens, seit 1985 über eine Straßenbrücke mit Vilanova de Arousa verbunden, mit dem Naturpark Carreirón an der Südspitze. Die Marina Arousa in Vilanova hat Wartestege für Gastyachten und ist auf UKW 9 und 16 erreichbar.
Tipp: Bei Gegenwind oder schlechter werdender Vorhersage lassen Sie Arousa weg. Von Combarro nach Sanxenxo sind es nur wenige Meilen quer über die Ría.
Tag 6: Vilanova de Arousa nach Sanxenxo (ca. 20 sm)
Zurück aus der Ría de Arousa, um O Grove herum und in die Ría de Pontevedra nach Sanxenxo, einem beliebten Badeort. Die städtische Marina hat 450 Liegeplätze und vermietet Transitplätze tageweise; Hochsaison ist dort von Juni bis September.
Tipp: Im Sommer melden Sie sich vor der Ankunft bei der Marina an.
Tag 7: Sanxenxo nach Baiona oder Vigo (ca. 18–20 sm)
Südwärts an Ons und Cabo Home vorbei, mit Mittagsstopp an den Cíes, wenn Sie für den Tag eine Genehmigung haben, und hinüber nach Baiona. Hier lief 1493 die Karavelle Pinta auf der Rückkehr von der ersten Reise des Kolumbus ein; Baiona war damit der erste Ort Europas, der von der Entdeckung Amerikas erfuhr. In der Festung Monterreal auf der Landzunge ist heute ein Parador, und ein Spaziergang von etwa 3 km rund um die Mauern bietet den Blick über die Bucht. Der Monte Real Club de Yates hat rund 40 Gastliegeplätze und hört auf UKW 9. Wer in Vigo gechartert hat, segelt noch etwa 10 sm in die Ría hinein und gibt die Yacht am Freitagabend zurück.
Tipp: Charteryachten müssen pünktlich zurück sein. Halten Sie den letzten Schlag kurz und starten Sie früh, wenn die Dünung zunimmt.
| Schlag | Distanz | Übernachtung | Highlight |
|---|---|---|---|
| Baiona oder Vigo – Cíes | ca. 7–9 sm | Vor Anker vor Rodas (Genehmigung, Fäkalientank) oder zurück zum Stützpunkt | Strand von Rodas, Lago dos Nenos |
| Cíes – Ons | ca. 10–12 sm | Vor Anker bei Melide oder Dornas-Castelo (Genehmigung) | Strand von Melide, zweite Parkinsel |
| Ons – Combarro | ca. 10–12 sm | Porto Deportivo de Combarro | Hórreos am Wasser |
| Combarro – Vilanova de Arousa | ca. 22 sm | Marina Arousa | Illa de Arousa, Muschelflöße |
| Vilanova de Arousa – Sanxenxo | ca. 20 sm | Marina Sanxenxo | Badeort |
| Sanxenxo – Baiona oder Vigo | ca. 18–20 sm | Heimathafen | Festung Monterreal, die Pinta |
Regeln und Sicherheit in den Rías Baixas
- Nationalpark Illas Atlánticas: Cíes, Ons, Sálvora und Cortegada bilden den Parque Nacional Marítimo-Terrestre de las Islas Atlánticas de Galicia, gegründet 2002; der größte Teil seiner 8.480 Hektar ist Meer. Gesetzlich brauchen Sie eine schriftliche Genehmigung, um in seinen Gewässern zu fahren und zu ankern.
- Zwei Genehmigungen: zuerst die Navigationsgenehmigung, dann für jeden Tag eine Ankergenehmigung (fondeo). Die Navigationsgenehmigung erhält der Eigner des Bootes auf einem Formular an die Parkverwaltung; sie gilt drei Jahre. Bei einer Charteryacht ist das der Vercharterer, fragen Sie also vorab, ob die Yacht sie bereits hat. Die Ankergenehmigungen werden danach online Tag für Tag gebucht, streng in der Reihenfolge der Anfragen. Eine nicht genutzte Genehmigung müssen Sie am selben Tag vor 12 Uhr stornieren. Einstieg über die Seite des Parks zu Navigation und Ankern.
- Tageskontingente: Der Managementplan des Parks begrenzt das Ankern in der Hochsaison (15. Mai bis 15. September sowie Ostern) auf 75 bis 125 Boote pro Tag an den Cíes, verteilt auf die drei Ankerplätze, 60 bis 70 an Ons und je 15 bis 20 an Sálvora und Cortegada (Managementplan, Dekret 177/2018).
- Im Park: höchstens 4 Knoten, keine laute Musik oder Signalhörner, außerhalb der betonnten 200-m-Badezone vor den Stränden ankern und eine Gasse zu den Anlegern freilassen. Kein Angeln und keine Unterwasserjagd, Tauchen mit Gerät nur mit Genehmigung, Müll geht zurück an Land. Halten Sie mindestens 100 m Abstand zu Delfinen, Schweinswalen und Seevögeln. Bei Charterbooten haftet der Vercharterer nachrangig für Verstöße von Skipper und Crew.
- Muschelflöße (bateas): Galicien hat 3.337 dieser schwimmenden Plattformen, die meisten in der Ría de Arousa. Jede ist ein Gitterrost von bis zu 27 m Seitenlänge mit tief darunter hängenden Leinen, schwojt an ihrer Verankerung und liegt in gekennzeichneten Feldern. Fahren Sie nie zwischen den Flößen hindurch und meiden Sie die Felder nachts.
- Gezeiten: Anders als im Mittelmeer erreicht der Tidenhub hier etwa 4 m, Hoch- und Niedrigwasser wechseln rund alle sechs Stunden. Prüfen Sie die Wassertiefe am Ankerplatz und im Hafen vor jedem Schlag mit den amtlichen Vorhersagen von Puertos del Estado (auch in der App iMar).
- Dünung und Nebel: Die Küstenvorhersage von MeteoGalicia für die Zone Rías Baixas gibt Wind, Seegang, Sicht (Nebel) und die Atlantikdünung aus fernen Tiefs getrennt an, in drei Tagesabschnitten. Lesen Sie dazu die AEMET-Küstenvorhersage für Galicien, bevor Sie die Rías verlassen.
- Notfall: Salvamento Marítimo unter 900 202 202, 112 oder UKW-Kanal 16.
- Führerschein: Ab dem 1. Oktober 2026 braucht jeder, der in Spanien ein gemietetes Boot fährt, einen Führerschein; die führerscheinfreie Miete kleiner Boote ist vorbei. Für eine Bareboat-Yacht brauchen Sie einen Schein, der Größe und Revier abdeckt und den Spanien anerkennt; der ICC ist die sichere Wahl. Mit Skipper oder Crew brauchen Sie keinen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Bootsführerschein in Spanien.
Beste Zeit zum Segeln in den Rías Baixas
Die Hauptsaison ist der Sommer. Der Park zählt den 15. Mai bis 15. September (dazu Ostern) als Hochsaison; in dieser Zeit brauchen auch Fährgäste zu den Cíes und nach Ons eine eigene Genehmigung. Laut Ressourcenplan des Parks kommen die vorherrschenden Winde aus Nord bis Ost, das Wasser ist mit 12 bis 18 °C im Sommer kühl, und am wenigsten regnet es von Juli bis September. Außerhalb des Sommers schicken Atlantiktiefs mehr Dünung; dann sind die Rías das Revier und die Inseln ein Ziel für stabile Wetterlagen.
Häufige Fragen
Brauche ich eine Genehmigung zum Ankern an den Cíes-Inseln?
Ja. Die Yacht braucht die Navigationsgenehmigung des Parks, dazu eine Ankergenehmigung für jeden Tag, online in der Reihenfolge der Anfragen vergeben. Klären Sie die Navigationsgenehmigung zuerst mit dem Vercharterer.
Darf ich an den Cíes oder vor Ons übernachten?
Nur an den ausgewiesenen Ankerplätzen, mit gültiger Ankergenehmigung und nur mit Fäkalientank an Bord. Sonst bleiben die Inseln Tagesziele.
Eignet sich das Revier für den ersten Bareboat-Törn?
Die Schläge sind kurz, aber bis zu 4 m Tidenhub, Muschelflöße, Nebel und Dünung verlangen mehr Aufmerksamkeit als das Mittelmeer. Wer wenig Gezeitenerfahrung hat, nimmt besser einen Skipper.
Kann ich weiter nach Portugal segeln?
Viana do Castelo in Nordportugal liegt rund 25 bis 30 sm südlich von Baiona an offener Küste, außerhalb einer normalen Wochenrunde. Fragen Sie zuerst den Vercharterer, ob die Yacht spanische Gewässer verlassen darf.
Lieber ein wärmeres Revier? Lesen Sie unseren Törnvorschlag für die Costa Brava ab Palamós oder Roses. Der Atlantik bleibt auch im Sommer kühl, werfen Sie also einen Blick auf unsere Packliste für den Yachtcharter.



