Segeln auf den Egadischen Inseln: Törn ab Trapani
Segeln auf den Egadischen Inseln heißt kurze Schläge durch glasklares Wasser im größten Meeresschutzgebiet Europas: die Steinbruchbuchten von Favignana, das winzige Levanzo und die steilen Höhlenküsten von Marettimo, alle nur einen Vormittag von Trapani entfernt. Ein typischer Wochentörn führt von Trapani über die drei Inseln, dann hinüber nach San Vito lo Capo und an der wilden Küste des Zingaro entlang zurück. Die Schläge liegen meist zwischen 10 und 22 Seemeilen, übernachtet wird an Bojenfeldern des Schutzgebiets oder in kleinen Häfen.
Wo chartere ich eine Yacht für die Egadischen Inseln?
Der naheliegende Ausgangshafen ist Trapani, nur einen kurzen Schlag von Favignana und Levanzo entfernt. Marsala eignet sich für einen Start im Süden nahe der Stagnone-Lagune, Castellammare del Golfo und Palermo für einen Törn, der auf der Zingaro-Seite beginnt; alle Stützpunkte finden Sie auf der Seite Sizilien. Charterwochen laufen meist von Samstag bis Samstag. Wer ohne Skipper fahren will, braucht einen Schein, den die Charterfirma akzeptiert (siehe unsere Ratgeber zum Bootsführerschein in Italien und zum ICC); alternativ buchen Sie einen Skipper oder eine Yacht mit Crew.
Ein 7-Tage-Törn ab Trapani
Alle Distanzen sind Circa-Angaben. Planen Sie jeden Schlag mit aktuellen Seekarten und Hafenhandbuch und prüfen Sie vor dem Ankern die für die laufende Saison gültigen Regeln des Schutzgebiets (AMP).
Tag 1: Trapani – Favignana (ca. 10–12 sm)
Aus dem Sportboothafen von Trapani geht es nach Südwesten zur größten der drei Inseln. Erster Stopp ist Cala Rossa an der Nordostküste, wo alte Tuffsteinbrüche hohe Säulen über Fels und tiefblauem Wasser hinterlassen haben. Übernachtung im Hafen von Favignana, um den sich der Ort gruppiert, oder an einem der Bojenfelder des Schutzgebiets. Tipp: Der Hafen ist nach Norden offen und leidet bei Maestrale (Nordwest), also vorher den Wetterbericht prüfen.
Tag 2: Favignana – Marettimo (ca. 12 sm direkt, 18–20 sm über die Südküste)
Um das Ostende von Favignana herum zur Cala Azzurra, einer feinsandigen, kinderfreundlichen Bucht, und zu den Grotten des Bue Marino nahe Cala Rossa; dann die Südküste entlang nach Westen und über Zone D nach Marettimo. Übernachtung an einem der Bojenfelder von Marettimo (Scalo Maestro, Cala Manione, Finocchio Marino oder Conca); die Genehmigung holen Sie vorab oder zahlen vor Ort. Tipp: Die Westküste zwischen Punta Mugnone und Punta Libeccio ist Zone A und für Charteryachten gesperrt – die Ostseite ist Ihr Revier.
Tag 3: Inseltag auf Marettimo
Marettimo ist die höchste und felsigste der Egadischen Inseln, mit einem einzigen Fischerdorf und einer Küste voller Grotten. Wandern Sie hinauf zur Punta Troia mit ihrer normannischen Burg oder erkunden Sie mit dem Dingi die Küste der Zone C an der Ostseite. Zweite Nacht an der Boje. Tipp: Vom 1. August bis 31. Dezember gilt an einem Sammelplatz von Adlerrochen vor Marettimo ein Ankerverbot – vor jedem Ankermanöver die Karte der AMP prüfen.
Tag 4: Marettimo – Levanzo (ca. 13 sm)
Über offenes Wasser zurück nach Osten zur kleinsten Insel, Levanzo, mit kleinem Hafen und weißen Häusern. An Land zeigt die Grotta del Genovese prähistorische Malereien, die zu den bedeutendsten der Welt zählen. Übernachtung an den Bojenfeldern Cala Minnola, Cala Fredda oder Punta Altarella auf der Ostseite. Tipp: Die gesamte Westseite von Levanzo ist Zone B, an Capo Grosso, Cala Tramontana und Cala del Genovese ist Ankern verboten – nehmen Sie die Bojen.
Tag 5: Levanzo – San Vito lo Capo (ca. 22 sm)
Der längste Inselschlag führt hinüber zum Festland und um das Capo San Vito herum. Der Hafen von San Vito lo Capo hat mehrere Schwimmstege und schützt gut bei Südwest- und Nordwestwind. Übernachtung im Hafen; im Sommer den Liegeplatz vorab reservieren. Tipp: Bei Scirocco (Südost) liegt der Hafen offen – dann den Plan ändern.
Tag 6: San Vito lo Capo – Castellammare del Golfo am Zingaro entlang (ca. 13 sm)
An der Ostseite der Halbinsel entlang zieht sich die Riserva dello Zingaro, Siziliens erstes Naturschutzgebiet, von der Cala Mazzo di Sciacca bis zur Tonnarella dell'Uzzo. Genießen Sie sie vom Wasser aus: Innerhalb von 100 m vor der Küste des Reservats ist Motorfahrt immer verboten, und in der Badesaison sind die Buchten für Boote gesperrt. Übernachtung in der Marina von Castellammare del Golfo, die auch Gastlieger aufnimmt. Tipp: Castellammare liegt gut geschützt gegen Westwind, ist aber nach Nordost und Südost offen.
Tag 7: Castellammare del Golfo – Trapani (ca. 30 sm)
Ein langer letzter Tag zurück um das Capo San Vito und nach Süden bis Trapani – früh ablegen. Alternativ fahren Sie Tag 6 als Hin-und-zurück-Schlag entlang des Zingaro ab San Vito lo Capo und übernachten dort erneut; dann sind es am letzten Tag nur ca. 18 sm. Wer in Castellammare del Golfo startet, fährt die Runde einfach andersherum.
Variante: Marsala und die Stagnone-Lagune
Nördlich des Hafens von Marsala liegt die Stagnone-Lagune: rund 2.000 Hektar sehr flaches Wasser, stellenweise zu Fuß durchquerbar, mit den Inseln Mozia, Santa Maria, Schola und Isola Grande. Für eine Kielyacht ist das nichts – bleiben Sie draußen und erkunden Sie die Lagune an Land. Von Marsala nach Favignana sind es ca. 11 sm, so lässt sich die Egadi-Runde auch hier beginnen und beenden.
| Schlag | Distanz | Übernachtung | Highlight |
|---|---|---|---|
| Trapani – Favignana | ca. 10–12 sm | Hafen Favignana oder Bojenfeld | Tuffsäulen der Cala Rossa |
| Favignana – Marettimo | ca. 12–20 sm | Bojenfeld Marettimo | Cala Azzurra, Bue Marino |
| Marettimo | – | Bojenfeld Marettimo | Burg Punta Troia, Grotten |
| Marettimo – Levanzo | ca. 13 sm | Bojenfeld Cala Minnola / Cala Fredda | Grotta del Genovese |
| Levanzo – San Vito lo Capo | ca. 22 sm | Hafen San Vito lo Capo | Überfahrt zum Festland |
| San Vito lo Capo – Castellammare del Golfo | ca. 13 sm | Marina Castellammare del Golfo | Zingaro-Küste vom Wasser |
| Castellammare del Golfo – Trapani | ca. 30 sm | Trapani (Basis) | Rundung des Capo San Vito |
Regeln und Sicherheit auf den Egadischen Inseln
Die Area Marina Protetta Isole Egadi umfasst fast 54.000 Hektar und bezeichnet sich als größtes Meeresschutzgebiet Europas. Die Regeln stehen in der Verordnung des Schutzgebiets und im jährlich aktualisierten Zusatzreglement (disciplinare); die gültige Fassung finden Sie auf der Normativa-Seite der AMP.
- Zone A (Westküste von Marettimo zwischen Punta Mugnone und Punta Libeccio sowie die Klippe Maraone): für Charteryachten keine Durchfahrt, kein Ankern, kein Festmachen.
- Zone B (Faraglione von Favignana, Westseite von Levanzo, Teile von Marettimo, die Insel Formica): unter Segeln frei; innerhalb von 500 m zur Küste ist Motorfahrt genehmigungspflichtig, außerhalb frei.
- Zone C (ganz Favignana außer dem Faraglione, Ostseite von Levanzo und Marettimo) und Zone D (das Wasser zwischen den Inseln): freie Fahrt; Ankern abseits geschützter Meeresböden erlaubt, für Nicht-Residenten mit Genehmigung.
- Ankern: Die AMP schützt Seegraswiesen (Posidonia) und Korallenriffe. In ausgewiesenen sensiblen Buchten wie Cala Rossa, Cala Azzurra, Cala Minnola und Cala Fredda darf nur auf Sand oder Schlick außerhalb der Bojenfelder geankert werden, Yachten von 10 bis 24 m brauchen dafür eine Genehmigung. Mindestens 50 m Abstand zu anderen ankernden Booten halten. Vom 15. Juli bis 15. September gelten die Ankergenehmigungen für Gäste nicht in diesen sensiblen Buchten – dann an die Boje.
- Bojenfelder: ein Boot pro Boje, kein Ankern und kein Baden innerhalb des Feldes, kein Festmachen bei schlechtem Wetter. Genehmigungen gibt es tage-, wochen- oder monatsweise im Büro der AMP, online bzw. per App oder direkt am Bojenfeld (mit Aufschlag). Es fällt eine Gebühr an; Details auf der Bojenfeld-Seite der AMP. Fragen Sie Ihre Charterbasis, ob die Yacht bereits Genehmigungen der AMP hat.
- Sperrgebiete: Vor dem Strand der Praia und der alten Thunfischfabrik Florio auf Favignana sind Fahren, Ankern und Festmachen für Sportboote verboten. Jetskis und Wasserski sind in den Zonen A bis C untersagt, und Abfälle, ungeklärtes Bilgen- oder Grauwasser dürfen nicht ins Meer.
- Fähren und Tragflügelboote: Die Linienschiffe fahren parallel zur Küste und laufen senkrecht zum Ufer in die Inselhäfen ein; in Favignana teilen sich Fähren und Yachten die Kais. Halten Sie ihre Anlaufwege frei.
- Zingaro: Laut Verordnung der Capitaneria di porto di Trapani sind Motorfahrt innerhalb von 100 m und Ankern innerhalb von 50 m vor der Reservatsküste (ohne Genehmigung) ganzjährig verboten. In der Badesaison sind die Buchten von Cala Capreria bis Tonnarella dell'Uzzo für alle außer nicht motorisierten Strandbooten gesperrt. Zusätzlich gelten die Badeverordnungen der Guardia Costiera in Trapani.
- Wind und Häfen: Die typischen Winde sind Maestrale (Nordwest) und Scirocco (Südost). Laut dem Hafenführer der sizilianischen Tourismusbehörde leidet Favignana bei Maestrale, San Vito lo Capo und Marsala sind dem Scirocco ausgesetzt, und in Trapani läuft bei beiden Schwell ein. Wählen Sie den Liegeplatz nach dem Wetterbericht.
- Führerschein: Laut unserem Ratgeber zum Bootsführerschein in Italien dürfen Sie ohne Schein nur Motoren bis 30 kW (40,8 PS) innerhalb von 6 sm vor der Küste fahren; weiter draußen oder mit stärkerem Motor ist ein Führerschein Pflicht. Charteryachten werden in der Regel von jemandem mit einem von der Charterfirma akzeptierten Schein geführt – oder Sie nehmen einen Skipper.
Beste Reisezeit zum Segeln auf den Egadischen Inseln
Die Saison reicht etwa von Mai bis Oktober. Die Bojenfelder werden saisonal ausgelegt, und die Schwimmstege in San Vito lo Capo bieten ihren vollen Service von Juni bis September. Am vollsten ist es von Mitte Juli bis Mitte September: Dann begrenzt die AMP die Zahl der Boote in den sensiblen Buchten, Bojen und Liegeplätze also früh buchen. Außerhalb dieses Zeitraums haben Sie mehr Auswahl, sollten aber vor jeder Überfahrt den Wetterbericht auf Maestrale und Scirocco prüfen.
Häufige Fragen
Darf ich in der Cala Rossa auf Favignana ankern?
Nur nach den Regeln der AMP: auf Sand oder Schlick außerhalb des Bojenfeldes, tagsüber und für Yachten über 10 m mit Genehmigung. Von Mitte Juli bis Mitte September sollten Gäste das Bojenfeld der Cala Rossa nutzen.
Brauche ich eine Genehmigung für das Meeresschutzgebiet?
Das Segeln durch die Zonen B, C und D ist frei. Für die Bojenfelder und – für Nicht-Residenten – zum Ankern brauchen Sie eine gebührenpflichtige Genehmigung der AMP, tage-, wochen- oder monatsweise. Zone A ist für Charteryachten gesperrt.
Wie weit ist es von Trapani nach Marettimo?
Rund 20 sm in direkter Linie. Die meisten Crews legen eine Nacht auf Favignana ein und segeln von dort die ca. 12 sm nach Marettimo.
Kann ich in die Stagnone-Lagune einfahren?
Mit einer Kielyacht nicht. Die Lagune ist sehr flach und stellenweise zu Fuß durchquerbar – bleiben Sie draußen und besuchen Sie sie von Marsala aus an Land.
Sind die Egadischen Inseln ein gutes Revier für den ersten Chartertörn?
Die Schläge sind kurz, aber die Überfahrten liegen offen zu Maestrale und Scirocco, und das Ankern ist streng geregelt. Wer im Mittelmeer neu ist, nimmt für die ersten Tage am besten einen Skipper mit.
Weitere Törnberichte
Weiter entlang Siziliens? Lesen Sie unseren Guide zum Segeln auf den Liparischen Inseln oder vergleichen Sie mit Südsardinien ab Carloforte. Vor der Abreise hilft unsere Packliste für den Yachtcharter.




