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Ankern auf den Balearen: Posidonia-Regeln für Segler
ReisezieleSeptember 26, 2026

Ankern auf den Balearen: Posidonia-Regeln für Segler

Auf den Balearen darf der Anker nicht auf Posidonia-Seegras fallen. Das ist die Grundregel für jede Charter-Crew vor Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera: Ankern nur auf Sand, an einer Boje in einem regulierten Bojenfeld oder im Hafen. Die Balearen-Regierung stellt Karten und eine Web-App bereit, auf denen die Seegraswiesen eingezeichnet sind. Im Sommer betreibt sie buchbare Öko-Bojenfelder und schickt Kontrollboote los, die dich notfalls umankern lassen. Dieser Ratgeber erklärt die Regeln und wie du sie einhältst, ohne dass dein Törn darunter leidet.

Warum Posidonia so wichtig ist

Posidonia oceanica ist keine Alge, sondern eine Blütenpflanze, die es nur im Mittelmeer gibt. Sie wächst sehr langsam. Laut Balearen-Regierung binden ihre Wiesen CO2 und produzieren Sauerstoff. Sie schützen Sandstrände vor Erosion, liefern einen großen Teil des Sediments, aus dem Strandsand wird, und dienen Jungfischen als Nahrungs- und Rückzugsort. Auf den Balearen wächst rund die Hälfte der in Spanien erfassten Posidonia, und die Wiesen zwischen Ibiza und Formentera sind seit 1999 UNESCO-Welterbe.

Das Problem für Segler ist mechanisch. Nach der Natura-2000-Beschreibung der Regierung reißt ein Anker Blätter und Rhizome ab und kann ganze Büschel herausreißen, und eine schleifende Kette tut dasselbe. Weil Posidonia so langsam wächst, bleiben die Schäden lange sichtbar.

Die Regeln fürs Ankern

Seit März 2026 verbietet zusätzlich eine landesweite spanische Regelung, das Real Decreto 191/2026, das Ankern auf Seegraswiesen aus Posidonia und Cymodocea grundsätzlich überall in Spanien, auch auf Sand in der Nähe, wenn die Kette die Wiese erreicht oder das Boot darüber schwojt; über den Wiesen sind nur genehmigte Bojen erlaubt. Die folgenden balearischen Regeln gelten also zusätzlich zu einem landesweiten Verbot.

Rechtsgrundlage ist das Dekret 25/2018 zum Schutz der Posidonia oceanica auf den Balearen. Für Charterskipper zählen diese Punkte:

  • Ankern auf Posidonia ist grundsätzlich verboten (Artikel 7.1). Das gilt für alle Boote, egal wie groß.
  • Über Posidonia liegen darf man nur an einer genehmigten, umweltschonenden Festmacheinrichtung, also an einer einzelnen Öko-Boje oder in einem Bojenfeld (Artikel 7.2).
  • In einem Bojenfeld musst du an eine Boje gehen oder auf den Sandflächen ankern, die zum Feld gehören. Direkt auf der Wiese darfst du dort nie ankern.
  • Auch die Kette zählt. Liegt Posidonia in der Nähe, dürfen weder Kette noch andere Teile des Ankergeschirrs sie berühren (Artikel 7.3). Ein kleiner Sandfleck mitten im Seegras reicht also nicht, wenn die Kette beim Schwojen über die Wiese streicht.
  • Bilge lenzen oder Abfall entsorgen innerhalb eines Bojenfelds gilt als erschwerender Umstand (Artikel 7.4).
  • Ausgenommen sind nur höhere Gewalt und Gefahr für Menschenleben oder die Sicherheit der Schifffahrt (Artikel 7.5).

Auch die Vercharterer sind in der Pflicht. Nach dem balearischen Dekret zur Bootsvermietung (Dekret 44/2025) müssen sie ihre Kunden über das Ankerverbot auf Posidonia und über die Schutzgebiete informieren. Beim Check-in lohnt es sich also, genau zuzuhören.

Posidonia erkennen

Laut Regierung beginnen die Wiesen meist in etwa 3–5 Metern Tiefe und reichen bis rund 30–40 Meter hinab, in sehr klarem Wasser auch tiefer. Im Frühjahr sind die Blätter lang und dicht, im Sommer werden sie weißlich, weil sich Organismen darauf ansiedeln. Von Deck aus erscheinen Seegraswiesen meist als dunkle Flächen, Sand als helle Flecken. Das ist ein guter erster Anhaltspunkt, doch Schatten, Felsen und Algen täuschen leicht. Verlass dich deshalb nicht allein auf das Auge.

Die Regierung gibt auf Atlas Posidonia weitere Tipps:

  • Prüfe den Grund mit einem Aquaskop (Guckeimer) oder mit deinen Instrumenten, und such dir den besten Ankerplatz im Kartenviewer der Regierung.
  • Plane, wo Anker und Kette liegen werden, und berücksichtige dabei Bootslänge sowie Windstärke und -richtung. Je größer das Boot und je stärker der Wind, desto mehr Kette brauchst du und desto weiter weg von der Wiese solltest du den Anker fallen lassen.
  • Fahr beim Ankerauf über den Anker, damit er senkrecht ausbricht und nicht durch den Grund gezogen wird.
  • Lenze die Bilge nur im Hafen oder mindestens 12 Seemeilen vor der Küste, und nimm deinen Müll mit in den Hafen.

So findest du einen legalen Ankerplatz

Nach Dekret 25/2018 müssen die Posidonia-Karten für Wassersportler zugänglich sein und nach Möglichkeit auch in Seekarten erscheinen. In der Praxis gibt es drei Hilfsmittel:

  • Die Web-App der Regierung. Die offizielle Ankerhilfe ideib.caib.es/posidonia zeigt die kartierten Seegraswiesen. So kannst du eine Bucht prüfen, bevor du ankerst.
  • Smartphone-Apps. Die Kartografie-Seite der Regierung nennt außerdem die Apps Projecte Posidonia, Posidonia Maps und Donia (Android und iOS). Laut Regierung schauen immer mehr Skipper vor dem Ankern hinein.
  • Das Posidonia-Telefon. In der Saison beantwortet der Posidonia-Dienst der Regierung Fragen zum Ankern unter +34 617 975 172 (aktuelle Zeiten auf caib.es).

Öko-Bojenfelder

Wo eine beliebte Bucht Seegras hat, gibt es meist ein Öko-Bojenfeld. Ports IB, die Hafenbehörde der Balearen, betreibt die regulierten Felder. Gebucht wird über die Online-Reservierungsplattform, auf der sich auch Gastliegeplätze in den direkt verwalteten Häfen buchen lassen. Zu den Feldern gehören:

  • Mallorca: Sant Elm, Cap Blanc–Cala Blava, Formentor
  • Menorca: Badia de Fornells, Illa d'en Colom–Cala Tamarells
  • Ibiza und Formentera: Platja de ses Salines, Badia de s'Alga–s'Espalmador, es Caló de s'Oli

Die Bojen liegen im Sommer aus, in der Regel vom 1. Juni bis 30. September, einige Felder zuletzt bis Mitte Oktober. Buchbar sind Badestopp, Tag oder Übernachtung, und die Bojen sind nach Bootslänge eingeteilt (Klassen bis 8, 12, 15, 20 und 25 Meter). Über dein Konto kannst du Buchungen verlängern, ändern oder stornieren. Im Juli und August solltest du früh buchen, denn die Zahl der Bojen pro Feld ist begrenzt.

Häfen

Ist die Bucht voller Seegras und das Bojenfeld belegt, geh in eine Marina oder einen Hafen. Das ist die einfachste legale Lösung.

Cabrera und andere Schutzgebiete

Nationalpark Cabrera

Der Meeres- und Landnationalpark Cabrera-Archipel südlich von Mallorca hat ein eigenes Genehmigungssystem, das die Balearen-Regierung verwaltet. Laut offizieller Genehmigungsseite läuft alles online über die Reservierungszentrale Cabrera:

  • Befahrensgenehmigung: kostenlos und 12 Monate gültig. Du brauchst sie schon, um im Park zu segeln.
  • Übernachtung an der Boje: wird separat gebucht. Pro Tag sind 50 Boote zugelassen, höchstens zwei Nächte im Juli und August und sieben Nächte im übrigen Jahr. Die Boje gehört dir von 18 Uhr am ersten bis 17 Uhr am letzten Tag, und sie ist nach Bootslänge eingeteilt.
  • Tauchen braucht eine eigene Genehmigung.

Die Besucherregeln des MITECO ergänzen: An Land geht es im Hafen von Cabrera nur mit dem Beiboot, denn am Hauptanleger darf man nicht festmachen. Angeln und Speerfischen sind im ganzen Park verboten, und Restaurants gibt es auf der Insel keine.

Naturpark Ses Salines (Ibiza und Formentera)

Rund 85 % des Parks sind Meeresfläche, und seine Posidonia-Wiesen sind das UNESCO-Welterbe. Laut Parkseite darfst du nur auf Sand ankern, nie auf Posidonia oder in Ankerverbotszonen. Übernachten vor Anker ist möglich, braucht aber eine Genehmigung der Balearen-Regierung (Tages- oder Jahresgenehmigung). Vor s'Espalmador darfst du nur in den ausgewiesenen Zonen ankern und nur über die markierten Ein- und Ausgangskanäle an Land gehen. Schlammbäder in der Lagune sind verboten, ebenso Jetskis und Speerfischen.

Natura-2000-Buchten

Rund 75 % der balearischen Posidonia liegen in Natura-2000-Gebieten. Deren Managementpläne regeln das Ankern und gelten, wo sie strenger sind als das Dekret. Prüf in jeder Schutzgebietsbucht Seekarte und Regierungskarte.

Bußgelder und Kontrollen

Der Posidonia-Überwachungsdienst des balearischen Naturinstituts IBANAT ist von Mitte Mai bis Anfang Oktober unterwegs, ab 1. Juni mit voller Stärke. Er arbeitet mit Umweltagenten, Ports IB, der Guardia Civil und den Inselräten zusammen. Seine Hauptaufgabe: Crews vor dem Ankern informieren und unterstützen und Boote umsetzen lassen, die auf Seegras liegen. In einer der letzten Saisons prüfte er über 150.000 Ankerlieger und ließ mehr als 10.000 Boote umankern. Die Umweltagenten erstatteten Anzeigen wegen illegalen Ankerns.

Nach Dekret 25/2018 (Artikel 13) ist ein Verstoß eine Ordnungswidrigkeit nach dem spanischen Naturerbe- und Biodiversitätsgesetz (Gesetz 42/2007) und dem balearischen LECO-Gesetz. Die „Beeinträchtigung des Lebensraums durch Ankern“ wird ausdrücklich genannt. Nach Gesetz 42/2007, Artikel 81 reichen die Bußgelder von 100 bis 3.000 Euro bei leichten, von 3.001 bis 200.000 Euro bei schweren und von 200.001 bis 2.000.000 Euro bei sehr schweren Verstößen. Die Höhe richtet sich unter anderem nach dem entstandenen Schaden, und bei Posidonia zählt laut Dekret besonders die betroffene Wiesenfläche. Für das LECO-Gesetz nennt die Regierung auf Atlas Posidonia 100 bis 450.000 Euro.

FAQ

Darf ich auf Sand direkt neben Posidonia ankern?

Ja, solange der Anker auf Sand liegt und weder Anker noch Kette beim Schwojen die Wiese erreichen. Rechne mit Winddrehern und steck genug Kette.

Gelten die Regeln auch für kleine Boote und Dingis?

Ja. Dekret 25/2018 verbietet das Ankern auf Posidonia für alle Boote, unabhängig von der Größe.

Muss ich die Öko-Bojen reservieren?

Ja. Die Bojenfelder von Ports IB bucht man online über deren Reservierungsplattform, als Badestopp, für den Tag oder über Nacht. Die Bojen in Cabrera bucht man über die Reservierungszentrale des Nationalparks.

Was passiert, wenn mich ein Kontrollboot auf Seegras erwischt?

Die Crew des Überwachungsdienstes erklärt in der Regel das Problem und bittet dich, auf Sand umzuankern oder weiterzufahren. Umweltagenten können zusätzlich Anzeige erstatten, was ein Bußgeld nach sich ziehen kann.

Brauche ich einen Führerschein, um eine Charteryacht auf den Balearen zu skippern?

Ja, es sei denn, du charterst mit Skipper. Mehr dazu in unserem Ratgeber zum Bootsführerschein in Spanien.

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Charteryachten gibt es an Stützpunkten rund um Mallorca, etwa in Port de Pollença, und auf Ibiza, als Bareboat oder mit Skipper. Weitere Reviere findest du unter Boote in Spanien. Für die Routenplanung helfen unsere Revierführer: Segeltörn ab Palma nach Cabrera, Nord-Mallorca und Menorca und Ibiza und Formentera.

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